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Jacoby, Heinrich (2011): Jenseits von Begabt und Unbegabt. Zweckmässige Fragestellungen und zweckmässiges Verhalten - Schlüssel für die Entfaltung des Menschen. Hamburg: Hans Christians Verlag. 978-3-939969-02-0.
Das von Sophie Ludwig herausgegebene Werk dokumentiert die lebenslange Erforschung der psycho-physischen Handlungs- und Ausdrucksweisen des Menschen durch Heinrich Jacoby (1889–1964). Ausgehend von der Beobachtung, dass Störungen des Verhaltens (wie vermeintliche „Unmusikalität“ oder mangelnde Bewegungskoordination) nicht auf angeborene Defizite zurückzuführen sind, analysiert Jacoby die Störungen im Organismus, die durch fehlerhafte Steuerung, Leistungsdruck und mechanisches „Sich-Mühe-Geben“ entstehen. In enger Synergie mit der Körper- und Bewegungspädagogik von Elsa Gindler beschreibt er, wie erzwungene Korrekturen zu chronischen neuromuskulären Fehleinstellungen, Fixierungen und zum Verlust der natürlichen Eigenwahrnehmung führen.

Jacoby entwickelt einen somatischen Lernansatz, der das traditionelle mechanische Üben durch das absichtslose Erforschen der eigenen physischen und sensorischen Reaktionen ersetzt. Anstatt dem Körper von außen Bewegungsmuster aufzuerlegen, fokussiert seine Methodik auf das Schaffen von Bedingungen, unter denen das Nervensystem unzweckmäßige Spannungen abbauen und zu einer organischen Selbstregulation zurückfinden kann. Das Bewusstmachen des Zusammenspiels von Haltung, Atmung, Muskeltonus und innerer Einstellung bildet dabei das Fundament für ein differenziertes Spüren (Sensing) und kinästhetisches Erleben.

Somatische Relevanz und Wirkungsgeschichte
Jenseits von „Begabt“ und „Unbegabt“ bildet eine der wichtigsten theoretischen und philosophischen Säulen der somatischen Bewegung. Jacobys Erkenntnisse über die Unrennbarkeit von Physis, Wahrnehmung und Verhalten prägten direkt die Entstehung wegweisender somatischer Disziplinen – insbesondere die Sensory Awareness (Charlotte Selver), die Feldenkrais-Methode (Moshé Feldenkrais) und das Verständnis der Sensomotorischen Amnesie bei Thomas Hanna. Das Werk ist ein grundlegender Text für KörpertherapeutInnen, Bewegungs- und SomatikforscherInnen, die den Mensch nicht als zu korrigierendes Objekt, sondern als selbstorganisierendes, spürendes Subjekt begreifen.
Es werden Antworten auf zentrale Fragen vermittelt, mit dnn sich jeder auseinandersetzen sollte: Wie können wir trotz der erschwerenden Bedingungen unserer Gesellschaft die naturgegebenen zweckmässigen Verhaltensweisen und schöpferischen Möglichkeiten dem Kind erhaltn und als Erwachsene wiedergewinnen.



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